Draussen

Das Draußen

 

Unbändig zieht es mich nach draußen,

ein Leben lang schon,

zu stellen mich der Welt vor der Tür,

ihren Straßen, Plätzen und Parks,

ihren Feldern, Wälder und Wiesen,

Zwiesprache zu halten mit ihr.

 

 

 

Auf der Brücke

 

Auf der Brücke,

hoch über dem Fluss,

schweift mein Blick über die Aue,

verharrt bei einem Dorf.

Ein Kirchlein zeigt es an,

eine schmale Straße führt hin,

jetzt menschenleer.

Küche grasen auf den Wiesen,

Störche stehen dabei,

ein Milan kreist am Himmel,

eine Lerche jubiliert,

ein Schiff naht mit winkenden Menschen,

aus einem Kraftwerk steigt Rauch.

 

 

 

Mein Freund

 

Jeden Morgen begrüße ich meinen Baum,

meinen Freund vor dem Fenster.

Noch ist es still in der Straße,

selten geht ein Passant vorbei.

 

Dann verlasse ich das Haus,

komme erst am Abend zurück.

Wieder ist es still in der Straße,

selten noch geht ein Passant vorbei.

 

Den Tag verbringt jeder für sich,

so bleibt viel zu erzählen,

immer begleitet vom Rauschen.

Es weckt mich und schläfert mich ein.

 

 

 

Fragen an ein Liebespaar

 

Lagt ihr schon einmal auf einer Wiese,

schautet in den Himmel hinein,

lauschtet dem Gesang der Vögel,

verfolgtet den Lauf eine Käfers,

das Flattern eines Schmetterlings,

einen Grashalm im Mund,

sagtet einander zärtliche Worte,

schwiegt lange und fandet zu euch,

vergaßt die Zeit, vergaßt die Welt,

vergaßt selbst die duftende Wiese,

die beitrug zu eurem Glück,

spürtet ihr, wie schön das Leben ist?

 

 

Unser Gott

 

Der Fortschritt dringt in Urwälder ein,

schickt sich an, auch sie zu zerstören,

wie fast alles ringsum.

Letzte Refugien verschwinden.

 

Gletscher schmelzen,

Wüsten wachsen,

Meere werden zu Kloaken,

zum Treibhaus die Erde.

 

Mahner bleiben ungehört.

Uns regiert der Markt.

Nur er zählt.

Profit, unser einziger Gott.

 

 

 

Das Bächlein zu mir

 

Es murmelt vertraut:

Na, wieder mal hier,

hast noch nicht alles gesehen

oder noch nicht genug?

Sehnst dich wieder mal her,

fliehst das lärmende Draußen?

 

Bleibe nur,, höre und schaue mir zu.

Viel gibt es zu hören, zu sehen,

in meiner Welt, anders als deine

und durchaus nicht klein.

Die Welt ist überall groß,

hast du Augen und Ohren für sie.

 

Bei mir findest du dich wieder,

hast du vergessen, wer du bist.

Man vergisst es leicht,

draußen in deiner Welt,

mit ihrer Hast und Eile,

die zur Besinnung lässt nicht Zeit.

 

Bleibe eine Weile hier.

Lege ab das Draußen.

Erst dann gehe wieder.

Und komme wieder!

 

 

 

Ich bin ein Romantiker

 

Ich ein Romantiker?

Mir ist es gleich,

wie ihr mich nennt.

Unrecht habt ihr nicht.

 

Verweile ich doch gern im Gestern,

wenn auch nur für ein Weilchen

und mit dem Wissen von heute

kehre gern dann zurück ins Jetzt.

 

Ein wenig Weltflucht ist es,

auch Resignation,

Sehnsucht nach Idylle,

nach Harmonie.

 

Unrecht verurteile ich, auch Gewalt

und die Zerstörung der Erde,

weiß nur kein Mittel dagegen,

weiche aus in eine ideale Welt,

weiß doch, die gab es nie.

 

152 Seiten, 12,90 €

ISBN-13: 978-3-95631-509-1

 

Leseprobe

 

Draußen

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