Ich bin von hier


Leseprobe



Ich bin von hier


Aus dem Städtchen


 

 

Vertraute Häuser


 

Vertraut die Häuser um mich,

schaue ich in ihre Fenster,

weiß ich, wer dahinter wohnte.

 

Gesichter tauchen auf,

viele waren schon alt,

da ich ein Kind.

 

Leben erwachen,

mit ihnen ein Zeit,

sichtbar, so lange ich schaue.

 

 

Haus der Kindheit


 

Das Haus der Kindheit,

sichtbar von weitem,

einst versteckt hinter anderen.

 

Die mussten weichen,

auch eine Reihe Bäume,

geopfert dem Verkehr.

 

Die Straßen wurden breiter,

mein Haus durfte bleiben,

stand nicht im Wege.

 

Den Garten gibt es noch,

einst gepflegt,

eine Wildnis heute.

 

Aber die Laube fehlt,

errichtet für Mußestunden,

der Garten lockt nicht mehr.

 

Das Haus steht leer,

keiner will es haben,

es genügt nicht dem Heute.

 

Irgendwann wird es abgerissen,

ein neues errichtet,

der Platz ist begehrt.

 

Das Haus dann vergessen,

wie seine Bewohner,

das Leben geht weiter.

 

 

 

In Erfurt


 

 

Erfurts Gassen


 

Erfurts Gassen muss man sehen,

sind einen Besuch wert,

wenig Vergleichbares blieb,

in deutschen Städten nach dem Krieg.

 

Die Häuser sorgfältig restauriert,

als Wohnungen beliebt,

dazu Gaststätten und Läden,

sind sie wieder voller Leben.

 

Schlenderst du durch,

streift dich vergangene Zeit,

ahnst du einstiges Leben,

gerettet für uns.

 

In Gassen zieht es mich,

wo kleine Leute wohnten,

ich bin ihnen verbunden,

wuchs unter ihnen auf.

 

 

Die Krämerbrücke


 

Die Krämerbrücke,

berühmt wie der Dom,

bekannt bei Touristen.

 

Scharen kommen,

Jahr für Jahr,

sie zu besuchen.

 

Die Brücke über die Gera,

ein Flüsschen nur,

Station einst einer Handelsstraße.

 

Schon Jahrhunderte alt,

von kleinen Häusern begrenzt,

auf steinernen Bögen.

 

Denkmal vergangener Zeit,

Genuss für das Auge,

einzig zu sehen.

 

Auch die Gassen ringsum,

laden zum Verweilen,

viel gibt es zu sehen.

 

Die Brücke musst du sehen,

sie ist eine Pflicht,

steht für Erfurt.

 

 

 

Hier und jetzt


 

 

Kinder an der Ampel


 

Morgens stehe ich am Fenster,

schaue auf die Ampel,

vor der Haustür unten,

beginne so meinen Tag.

 

Viele Kinder warten auf Grün,

Ausländerkinder meiner Straße,

wollen zur Schule,

müde noch viele.

 

Doch da ist nicht nur Freude.

Wie gehen unsere Kinder damit um

und auch die Lehrer,

Deutsche als Minderheit?

 

 

Bäume ohne Laub


 

Bäume ohne Laub,

die Blätter am Boden,

mitten im Sommer,

lange vor ihrer Zeit.

 

Der Blick nach oben,

kein Regen in Sicht,

Wochen nun schon,

auch für die nächsten Tage.

 

Kein Vogel ruft,

keiner zu sehen,

nur still ist es,

unheimlich still.

 

 

 

Aus staufen


 

 

Am Teich


 

Die Fontäne vor mir,

ihr monotones Plätschern.

Ich sitze im Park,

sehe und höre zu.

 

Ein Spatz nähert sich,

verweilt einen Moment,

traut nicht dem Frieden,

hüpft davon.

 

Das Plätschern bleibt,

das schäumende Wasser,

nichts sonst,

ich sehe und höre zu.

 

 

Auf halber Höhe


 

Mein Blick geht nach unten,

zurück auf die Stadt,

nach oben zur Burgruine.

 

Früh ist es am Morgen,

Glocken rufen zur Messe,

läuten den Sonntag ein.

 

Am Ziel wartet ein Viertele,

am Burgberg geerntet,

sicher werden es zwei.

 

Die Mühe des Aufstiegs lohnt,

wie auch der Weg zurück,

an Weinbergen vorbei.

152 Seiten, 13,90 €

ISBN-13: 978-3-95631-694-4

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