Von Einem am Rande

Am Rand der Straße stehe ich

 

Am Rand der Straße stehe ich,

vorbei braust hier da Leben.

Lange fuhr ich mit im Strom,

so breit und lang,

dass ich kein Ziel mehr sah.

 

Dann sah ich einen Pfad,

der wegführt von der Straße,

endend an einem Hügel.

Jetzt gehe ich den Pfad entlang,

was mag wohl hinterm Hügel liegen?

 

 

 

Still ist das Leben, friedlich, einfach und schön

 

Nicht nur schrill und laut ist das Leben,

nicht nur Raub, Gewalt und Mord,

nicht nur Schreien und Klagen,

nicht nur Armut, Hunger und Leid.

 

Auch still ist das Leben,

friedlich, einfach und schön,

voll Freude, Lachen und Lust,

mit ausreichend Brot und Kleidung für jeden

und verbindender Liebe.

 

Wir müssen nur künden davon,

sichtbar es machen allen Leuten.

Nur schlecht verkauft sich das Einfache und Stille,

besonders der Frieden.

 

 

 

Über Ideen

 

Ideen haben Macht über uns,

auch Menschen, die sie vertreten,

uns führen und irreführen.

Mancher wird ein Ver-führer.

 

Ich wollte einer guten Sache dienen,

erfolgreich sein,

gelobt werden auch.

Wer will das nicht?

 

Ich wurde zum Eiferer,

zum Fanatiker nicht,

da blieb ein Stück Mensch.

Aber auch Eiferer sind nicht beliebt.

 

Eifern geht einher mit Rechthaberei,

der Blick für das Leben ist getrübt.

Erst war ich naiv, dann verblendet.

Das Lebe war stärker als alle Ideen.

 

 

 

Häuser schreien

 

Ich will leben!.

Nimm mich!

Hallt es durch die Straßen.

Lautlose Schreie,

geschrieben an Häuserfassaden

von ehrwürdigem Alter,

Hilferufe, zu stoppen Verfall.

 

Seit Jahren stehen Häuser leer,

Bilder des Jammers,

vergangen einstiger Stolz.

Verschämt dazwischen

ein saniertes Haus,

das keiner haben will.

 

 

 

Altes Haus

 

Die Fenster im Haus,

sie weinen nicht mehr.

Blinde Augen, ohne Tränen.

Zerschlagen die Scheiben.

Mit Brettern vernagelt die Tür.

 

In verrosteten Angeln

knarrt klagend ein Fensterflügel.

Eine Gardine flattert müde im Wind.

Winkt sie mir zu?

Schon lange kam niemand vorbei.

 

 

 

Farben

 

Mein Vater lief den Braunen nach.

Ich landete bei den Roten.

Unsere Wahl war falsch.

Die Einsicht fiel schwer.

Längst ist mein Vater tot

und ich gehöre zu den Alten.

 

Man buhlt um unsere Gunst

in einem alternden Land.

Wir sind eine Last,

die man noch braucht,

eine Farbe zu wählen,

stellen die meisten Wähler.

 

Ich laufe keiner Farbe mehr nach.

Da änderte auch nichts die Wende.

Groß ist die Auswahl an Farben.

Für mich ist keine dabei.

 

 

 

Zukunft

 

Die Erde taumelt durchs All.

Vernarbt ihre Haut.

Ihre Schönheit dahin.

 

Verwüstet der blaue Planet.

Von Menschen zerstört.

Der Schöpfung Krone.

 

So wird es sein.

Wir sind zu sehr Menschen,

werden Menschen bleiben.

 

 

 

Ein Held war ich im Traum

 

Ein Held war ich im Traum.

Menschen standen sich gegenüber,

Fremde und Leute von hier,

bereit, sich zu schlagen.

 

Ich trat dazwischen,

schrie: Haltet ein!

Lasst uns reden!

Wir sind doch Menschen!

 

Einige riefen: Er hat Recht.

Ein paar klatschten.

Später bekam ich Prügel,

von Leuten von hier.

 

Ich wurde wach,

von Angst geplagt.

Da entstand die Zeile:

Ein Held war ich im Traum.

 

 

 

Im Dom

 

Im Dom vereinzelt alte Leute,

entrückt dem Heute im Gebet.

Von Sockeln blicken Heilige herab,

unnahbar und stumm.

 

Ein Lichtstrahl wandert,

hält sich nicht lange auf.

Ein Vogel stößt sich an bunten Scheiben,

nur sein Piepsen hallt durch den Raum.

 

 

 

Zukunft

 

Leben zwischen Beton und Stein,

zwischen Stahl und Glas,

laufen über Asphalt,

so man noch läuft.

 

Berge aus Müll,

Kunststoffe türmen sich auf,

Blumen in Kübeln,

von Tankwagen versorgt.

 

Klimatisierte Räume,

künstliches Licht,

Nahrung aus Automaten,

ein Knopfdruck genügt.

 

Der Blick aus dem Fenster,

macht an Hauswänden halt,

der Himmel ein Spalt,

auf dem Flugzeuge ziehen.

 

Irgendwo gibt es Natur,

Menschen fliegen hin,

ihre Gewohnheiten mit,

das Aus für letzte Oasen.

 

 

 

Tag der Einheit

 

Fast hätte ich ihn vergessen,

bei den vielen Feiertagen.

Ich nehme sie gern,

weiß doch kaum, worum es geht.

 

Beim Tag der Einheit ist das anders,

da gingen die Leute auf die Straße.

Bei uns war das, nicht da drüben,

die haben nichts mit der Einheit zu tun.

 

Nein, ich war nicht mit ihnen,

aber ich schaute und hörte zu.

„Wir sind das Volk.“

„Reih dich ein!“ so riefen sie.

 

Und Kerzen trugen sie.

die Genossen hatten Waffen.

Kerzen gegen Waffen?

Ich traute dem Frieden nicht.

 

Ich hatte mich arrangiert.

Man kann nicht alles haben.

Irgendwie ging es weiter,

wurstelten wir uns durch.

 

Fast hätte ich den Tag vergessen.

Vor Supermarkt fragte ich mich:

Warum ist heute zu?

Da fiel mir der Tag der Einheit ein.

 

 

 

Kommunist

 

Das Wort mochte ich nie,

war doch einer von ihnen,

zumindest in ihrer Partei.

Die Genossen nannten sich so.

 

Sozialist gefiel mir besser,

schien menschlicher,

nicht nur Klassenkampf,

nicht nur Freund oder Feind.

 

Sozialismus wird es nicht geben,

etwas Ähnliches könnte es sein,

wo das Gute im Menschen regiert.

Genauer kann ich es nicht sagen.

 

 

 

Ich gehörte zu ihnen

 

Ich gehörte zu ihnen,

war gläubigen Herzens dabei,

begierig auf ihr Lob.

Bei den Siegern wollte ich sein.

Gut, dass sie Verlierer wurden.

Sieger bleiben durfte so was nicht.

Spät erst kam die Scham.

Doch schadete ich keinem.

Es war nicht mein Verdienst.

 

 

 

Über ihn

 

Er schrieb über den Fluss,

über die Auenwiesen,

über seine Umgebung,

zu seiner Zeit,

wie er sie sah.

 

Er schrieb über Liebe,

über Einsamkeit,

über Wünsche und Träume,

immer auf Suche,

kam doch nie an.

 

380 Seiten, 20,90 €

ISBN-13: 978-3-95631-513-8

 

Leseprobe

 

Von Einem am Rande

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